Zeitlose Malerei und “zeitgenössische Kunst”

 

1. Die kĂŒnstlerische QualitĂ€t und die scheinbare Neuheit

 

Heutzutage mag es naiv sein, von kĂŒnstlerischer Schönheit zu sprechen, wenn es um “zeitgenössische Kunst”, vorauszusetzen, dass die ĂŒber Jahrhunderte gĂŒltigen Überlegungen zur Ästhetik auch jetzt akzeptiert werden, oder anzunehmen, dass die gegenwĂ€rtig produzierten Kunstwerke (die folglich eine solche Schönheit enthalten sollten) als solche anerkannt und bewertet wĂŒrden.

Viele sind ĂŒberzeugt davon, dass die Suche nach der Schönheit in der Vergangenheit das Ziel der Kunst bedeutete, aber jetzt sei die “zeitgenössische Kunst” eine andere Angelegenheit. Die, die so denken, wollen VerĂ€nderungen statt Schönheit (die Mode tut genau dies, “sie schmeichelt unseren vulgĂ€rsten VerĂ€nderungsinstinkten” 1), Neuigkeiten, Überspanntheiten, Provokationen, UmstĂŒrze, BrĂŒche mit der Tradition
 Vielleicht gibt ein Beispiel zu alldem etwas Orientierung: der vermutlich reichste “KĂŒnstler” der Welt ist ein gewisser Hirst, dessen großes Verdienst darin besteht, Tierkadaver in durchsichtige, mit Formol gefĂŒllte KĂ€sten gesteckt zu haben: einen Hai, das Fohlen eines Zebras, ein Kalb….

Ein gutes PortrĂ€t, in dem womöglich die Seele eines menschlichen Wesens zum Vorschein kommt, werden diese “Modernen” fĂŒr “konventionell” erachten und es verwerfen, weil das Wichtige jetzt die neuen Formen sind. Die modernen “PortrĂ€ts” von Picasso befriedigen diese neuen GeschmĂ€cker; in ihnen entdecken wir ausgeprĂ€gte oder bizarre Deformationen (wie etwa zwei Augen auf derselben Seite der Nase), aber diesen PortrĂ€ts fehlt die Seele; wo ist die Spur des Spirituellen der in den “PortrĂ€ts” von Warhol dargestellten Personen?… Es gibt sie nicht: “Die KĂŒnste des 20. Jahrhunderts haben aufgehört, den Menschen als ein Wesen mit einer spirituellen Dimension zu betrachten, um ihn in ein einfaches plastisches Objekt zu verwandeln” (JosĂ© JimĂ©nez Lozano, Cervantes-PreistrĂ€ger 2002).  Man sollte dieses Zitat wohl immer mit herausgehobenen Buchstaben schreiben ―fett, kursiv oder in Versalien―, denn es fasst in vollkommener Weise zusammen, was geschehen ist und was auch jetzt noch geschieht.

Aus diesem Grund weden auf dieser Webpage, www.jrtrigo.es, dem Besucher die folgenden SĂ€tze offeriert (sie befinden sich im unteren Balken, rechts von Weitere Informationen und Links; je nach Fenster erscheint der eine oder der andere):

“Die mittelmĂ€ĂŸigen Zeitgenossen von VelĂĄzquez, geplagt von der Krankheit des Neides, die immer schwĂ€chlich ist, weil sie ÂŽbeißt, aber nicht isstÂŽ, wie Quevedo schrieb, sagten dem König, der Hofmaler sei nur in der Lage, Menschengesichter zu malen. ÂŽStimmt das?ÂŽfragte der König VelĂĄzquez. ÂŽIch kenne Keinen, der wirklich die Gesichter von Menschen malen kann. Es ist das Schwierigste ĂŒberhaupt.ÂŽerwiderte er ihm.” 2

Diese Worte sind nur verstÀndlich, wenn man die spirituelle Dimension des Menschen nicht vergisst.

Die “moderne” Haltung unserer Zeitgenossen hat allerdings historische VorlĂ€ufer. Von der Webpage www.jrtrigo.es  aus, und insbesondere mit den dort enthaltenen Texten Meine Malerei und Mögliche Ursachen der aktuellen Lage, versuche ich, dieses den Moden verfallene Verhalten des Kunstsektors im 20. Jahrhundert und am Beginn des 21. Jahhunderts in Frage zu stellen und die Situation ein wenig zurechtzurĂŒcken
 An zwei Stellen des Textes Meine Malerei heißt es:

Die Witwe Johann Sebastian Bachs, Anna Magadena, stellte fest: „Ich weiß wohl, dass jetzt neue musikalische Strömungen existieren und daß die Jungen ihnen folgen, wie sie immer allem Neuen folgen; aber wenn sie Ă€lter werden und wenn sie wahre Musiker sind, werden sie zu Sebastian zurĂŒckfinden. Wenn ich davon absehe, dass ich seine Frau bin, besser gesagt, oje, seine Witwe, verstehe ich doch genug von Musik, um zu wissen, dass es genauso kommen wird, auch wenn jetzt, wenige Jahre nach seinem Tod, seine Werke fast vergessen sind und die Kompositionen seiner Söhne Friedemann und Manuel den seinigen vorgezogen werden“ 3
 Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Chopin, Schumann, Brahms haben sich fĂŒr die Musik des J. S. Bach interessiert; sie waren nicht alt, aber sehr wohl wahrhafte Musiker.

Wenden wir uns, im Gegensatz, einem Beispiel mit anderem Charakter zu. Als Experiment oder Scherz hat man auf einer der Messen fĂŒr zeitgenössische Kunst, ARCO, die alljĂ€hrlich in Madrid stattfindet, ein Bild ausgestellt, das von einigen Kindern eines Kindergartens innerhalb weniger Minuten hingekleckst worden war. Die Besucher der Messe hielten dieses Werk fĂŒr eines unter den vielen hier ausgestellten
 Können Sie sich das Ergebnis vorstellen, wenn man eben dieses Experiment im Prado-Museum wiederholt hĂ€tte? Es ist offensichtlich, dass der Scherz keinen Erfolg gehabt hĂ€tte, niemand hĂ€tte sich tĂ€uschen lassen.

Das eben beschriebene Beispiel illustriert die kĂŒnstlerische Verarmung, zu der mit relativer Emsigkeit der Drang nach Neuartigem und nach Überspanntheiten in unseren Tagen gefĂŒhrt hat. Und zugleich bringt es ein anderes aktuelles Problem an den Tag: bestimmte Personen verwechseln den Anschein von ModernitĂ€t mit kĂŒnstlerischer QualitĂ€t. Es ist dies eine weitere Folge der Gier nach Neuem und des Fehlens der Bedingung, die Anna Magdalena Bach (die ich eingangs zitierte) nannte: „ 
wenn sie [
] wahre Musiker sind, weden sie zu Sebastian zurĂŒckfinden.“ 4 (zur Musik von J. S. Bach). Ihre Worte paraphrasierend, könnten wir sagen: wenn sie wahre Maler sind, wenn sie die Kunst wahrlich verstehen und lieben, werden sie die kĂŒnstlerische QualitĂ€t wieder höher einschĂ€tzen als die scheinbare Neuartgkeit.

 

2. Der Weg der kĂŒnstlerischen Schönheit und ihre Ersetzung durch Surrogate und FĂ€lschungen

 

Wenn wir die wahre kĂŒnstlerische Schönheit diesen zeitgenössische Arten, “Kunst” zu machen, gegenĂŒberstellen wĂŒrden, wĂ€re der Unterschied sofort bemerkbar. Erstere fĂŒhrt den Menschen zu einem Einklang mit der Schöpfung; sie entfernt ihn nicht von der Wirklichkeit, aber sie berĂŒhrt das menschliche Wesen mittels einer gesunden “ErschĂŒtterung” (wie das schon Platon formulierte), die den Menschen ĂŒber sich hinauswachsen lĂ€sst; die ihn herausreißt aus der platten und groben Angepasstheit an den Alltag und die ihn aus seiner Routine erweckt, die ihm den Blick der Herzens und der Geistes öffnet und ihm dabei FlĂŒgel verleiht, die ihn aufwĂ€rts treiben, hin zur Erkenntnis der Mysteriums― ein freudiges Treffen mit dem Unbeschreiblichen!―; die ihn konfrontiert mit SchĂ€tzen, die sich dem Geist erschließen und ausgefĂŒllt sind mit Worten, Farben, vielfĂ€ltigen Formen und, schließlich, ZugĂ€nglichkeit.

Im Gegensatz dazu greifen die zeitgenössischen Formen der “Kunst” regelmĂ€ĂŸig auf “TiefschlĂ€ge” zurĂŒck (wie das in der Sprache des Boxens genannt wird), auf unredliche Mittel, um die Aufmerksamkeit des Betrachters zu erregen: die Subversion, die Provokation, die Extravaganz, die ObszönitĂ€t; sie versklaven den Menschen, denn sie scheinen seine SpiritualitĂ€t nicht anzuerkennen; sie reduzieren den Horizont seiner Existenz auf das rein Materielle, auf eine beschrĂ€nkte und banale Vision; sie umklammern oder halten ihn auf mit nichtkĂŒnstlerichen Vorgelhensweisen, zu deren Bestandteilen eine abgestimmte Propaganda gehört, der sich als Komparsen des Blendwerks die Medien anschließen. Des Blendwerks? Aber ja, erinnern Sie sich an die fabelartige ErzĂ€hlung von Hans Christian Andersen, Des Kaisers neue Kleider: die schlitzohrigen Schneider
 der nackte Kaiser! Dieser zweite Weg der “Kunst” besteht au einer Flucht ins Irrationale oder aus einem reinen Ästhetizismus, der gelegentlich dekotative Ergebnisse hervorbringt. Das Dekorative erfĂŒllt dem Anschein nach die gleiche Rolle wie das KĂŒnstlerische, genau so, wie zwei BĂŒcher auf gleiche Weise ein Regal schmĂŒcken können – allerdings besteht der wesentliche Unterschied zwischen ihnen im Inhalt: Eines kann banalste Unterhaultung sein, das andere ein tiefgrĂŒndiger Text voller Witz. Worin nun besteht der Reiz des Dekorativen? Er besteht darin, dass es letzten Endes einige Tropfen des kĂŒnstlerischen Extrakts enthĂ€lt!

Eines der Zeichen fĂŒr die IrrationalitĂ€t in unserer Zeit ist, dass ganz und gar decorative Werke, deren Betrachtung kaum mehr als drei Minuten erfordert, als paradigmatisch fĂŒr das Moderne angesehen werden und eine WertschĂ€tzung erfahren, die gleich oder höher als die der universalen Meisterwerke der Malerei ausfĂ€llt. Diese SchwĂ€che fĂŒr das Auffllige, dabei OberflĂ€chliche, unseres Zeitalters kennzeichnet diejenigen, die solche oberflĂ€chlichen Vorlieben haben. Es ist als wĂŒrde man einen Comic oder eine Sportreportage ―Formen zur Unterhaltung oder Zerstreuung ohne weiteren Anspruch― ebenso bewerten wie eine Literatur, die sich zeitlosen Werten widmet.

Der Schriffsteller Juan Manuel de Prada greift diese Frage in zwei seiner Zeitungsartikel auf: “Die barbarische BilderstĂŒrmerei der Islamisten unterscheidet sich letzten Endes und in ihren Folgen nicht allzu sehr von der ĂŒberaus kultivierten BilderstĂŒrmerei des neuheidnischen Westens, der die Zerstörung von Kunst unter verschiedenen VorwĂ€nden betreibt, Ă€sthetischen, ideologischen, philantropischen und selbst religiösen, Masken des Guten, hinter denen sich der Hass auf das Schöne und letztlich auf seinen Schöpfer verbirgt, um auf diese Weise ihre Saat in unsere Seelen zu tragen.”

“Denken wir also ĂŒber die Entwicklung der wahren “modernen Kunst” nach, deren letzter Vorsatz kein anderer ist als das Schöne zu kritisieren, es anzuspucken, es mit Exkrementen zu verunreinigen, bis sich seine Spur in unseren Seelen verflĂŒchtigt, und damit jenen Wunsch von Ivywood verfolgt, der Hauptfigur von Das fliegende Wirtshaus [Roman von G. K. Chesterton], wonach die Kunst das “Durchbrechen sĂ€mtlicher Grenzen” verkĂŒnden sollte, bis hin zum Verschwinden erkennbarer Normen, zu ihrem Zerschmelzen im reinen Nichts, zum Ertrinken in ihrer Kotze, um nur grĂŒndlichst das Wirken des Schöpfers zu negieren.”

“Damit die Belustigung des neuheidnischen Westens nicht nachlĂ€sst (man weiß ja, dass die verdorbenen GeschmĂ€cker des Lasterhaften Abwechslung verlangen), haben sich die AnhĂ€nger des Islamischen Staates jetzt filmen lassen, wĂ€hrend sie assyrische Statuen von ihren Piedestalen im Museum von Mosul stĂŒrzten, um sie dann voller Groll zu zertrĂŒmmern, bis nur noch Scherben blieben. Ein desorientierter Betrachter könnte das erwĂ€hnte Video mit einer dieser schwachsinnigen Performances von Joseph Beuys oder eines dieser Trickser verwechseln, die ihren Plunder auf jener Ramsch-Messe mit Namen ARCO zur Erbauung der Komplexbeladenen und der Snobs ausstellen.” 5

“Moratinos […] meint, dass die Farbkanonaden, die der KĂŒnstler BarcelĂł an die Gewölbedecke des Saals der Menschenrechte und der Allianz der Zivilisationen feuert, die “Sixtinische Kapelle des 21. Jahrhunderts” sind. Auf den ersten Blick könnte diese Behauptung als die Übertreibung eines dĂŒmmlichen SchwĂ€tzers durchgehen; jedoch wird sie zur unanfechtbaren und tiefgrĂŒndigen Wahrheit, sobald man beginnt, ĂŒber das Wesen der zeitgenössischen Kunst nachzudenken.”

“Was hat Michelangelo letzten Endes in der Sixtinischen Kapelle erschaffen? Was er erschaffen hat, war eine Reflexion mit dem Pinsel ĂŒber die Idee eines Schöpfer-Gottes, der den Menschen nach seinem Bild und Vorbild erschaffen hat; somit ein Gott, der ein bildender KĂŒnstler, also ein ReaktionĂ€r und Faschist war. Und was tut die zeitgenössische Kunst? Nun, was die zeitgenössische Kunst tut, ist, ĂŒber ihre Abneigung gegenĂŒber der Idee eines Schöpfer-Gottes nachzusinnen, dabei ein Modell des Universums entwerfend, das die Schöpfung ablehnt; ein Universum, das von den Regeln gefĂŒhrt wird, die der KĂŒnstler selbst bestimmt und das, in seiner Einbildung, in die völlige Abwesenheit von Regeln mĂŒndet, einer irrlichternden und agnostischen Seltsamkeit, die sich auflöst, indem man Farben mit einem Schlauch verspritzt. Der Maler BarcelĂł ist in der Tat der Michelangelo des 21. Jahrhunderts; und die Allianz der Zivilisationen ist eine Hervorbringung nach den Maßgaben der zeitgenössischen Kunst: ein Unsinn ohne Hand und Fuß, gemacht nach Bild und Abbild eines Göttchens mit hohlem Kopf, das seine Spielchen finanziert, indem es die Taschen seiner Lakaien plĂŒndert, die zu seiner Vergottung beigetragen haben.” 6

Hier folgt ein Kommentar von Balthus: “Wenn wir doch von so vielen schönen Dingen umgeben sind, warum nur strengen wir uns so an, sie zu vermeiden? [
] Das einzige Ziel der Malerei ist die Schönheit. Das gerupfte Fleisch einiger zeitgenössischer Maler verwandelt die Malerei in ein Gewerk im Fall. Teuflisch. WĂ€hrend es darauf ankommt, die göttliche Schönheit zu erreichen.”7  “Denn nach meinem VerstĂ€ndnis hat uns Gott, der die Welt erschaffen hat und der sie weder hĂ€sslich noch unverstĂ€ndlich erschaffen konnte, ein gewaltiges Feld an Schönheit ĂŒberlassen, ĂŒber die der KĂŒnstler verfĂŒgen sollte. Wie sollte man HĂ€ssliches verfertigen bei so viel Schönem? Ich habe mich immer als ein Bewahrer dieser Gaben empfunden, ihnen gegenĂŒber verantwortlich. Man muss seine Niedergeschlagenheit ĂŒberwinden, sein Leiden, seine Zweifel, um sich der enormen Aufgabe hinzugeben, die die Weihe der Malerei darstellt, dieses Eintauchen in die göttliche Schönheit.” 8

“Das Grauen vor dem Immergleichen”, ironisch sagt der Versucher in Briefe des Teufels an seinen Neffen von C. S. Lewis, “ist eine der wertvollsten Leidenschaften, die wir im Herzen der Menschen geweckt haben: eine unerschöpfliche Quelle von Ketzereien in der Religion, von Irrsinn in den RatschlĂ€gen, von Untreue in der Ehe, von UnbestĂ€ndigkeit in der Freundschaft…”, und von VerĂ€nderungen ohne Sinn und Verstand in der Kunst, könnte man hinzufĂŒgen.

 

3. Die totalitÀre Durchsetzung des Geschmacks am Neuen und Scheinbaren

 

GegenwĂ€rtig wird in den “kĂŒnstlerischen” Milieus eine Ungerechtigkeit zugelassen und wird eine Tyrannei praktiziert, wie sie ―mit umgekehrten Vorzeichen― auch im 19. Jahrhundert stattfand: damals schlossen die Mitglieder der Akademie die Bilder der “impressionistischen” Maler, die die Substanz und den Nachdruck der Inspiration den von jenen verteidigten verknöcherten Normen entgegenstellten, systematisch von den Ausstellungen aus. Jetzt Ă€chten und verachten diejenigen, die weiterhin mit voller Überzeugung der modischen Gier nach scheinbaren Neuheiten anhĂ€ngen, die Arbeiten der wenigen Inkonformisten, die wir dafĂŒr kĂ€mpfen, die Flamme der kĂŒnstlerischen Schönheit am Leben zu erhalten und die wir das Erringen dauerhafter Werte in der Kunst herbeisehnen.

Die Diktatur unserer Tage, die das Neuartige, das vielleicht VergĂ€ngliche, gegenĂŒber dem Klassischen und BestĂ€ndigen verherrlicht, hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Niedergang des antiken Griechenland; im 1. Jahrhundert “kĂŒmmerten sich sĂ€mtliche Athener und die AuswĂ€rtigen, die hier wohnten, um nichts Anderes, als die neueste Neuigkeit zu sagen oder zu hören” (Apostelgeschichte, 17, 21); “angesichts einiger Athener, die Freunde der neuen Diskurse waren, die sie freilich nicht weiter beachteten und deren Inhalt sie auch nicht sehr bekĂŒmmerte: was sie interessierte, war, etwas Neues erzĂ€hlen zu können” (Johannes Chrysostomos, Homilien ĂŒber die Apostelgeschichte, 39). Die Suche nach der Wahrheit (die in der Philosophie der Suche nach der Schönheit in der Kunst entspricht: beide sind transzendental fĂŒr das menschliche Wesen), die in der glanzvollsten Zeit der griechischen Kultur das Denken von Sokrates, Platon und Aristoteles charakterisierte, war ersetzt worden durch die Suche nach Wandlungen, Neuigkeiten und folglich durch Formen des Denkens, die sehr viel dĂŒrftiger waren: epikureisch, stoisch.

„In medio stat virtus“ 9 – die Tugend liegt zwischen zwei RĂ€ndern des Lasters, sagten die Weisen der klassischen Antike. Wenn die Verknöcherung der Akademiemitglieder des 19. Jahrhunderts, die sich jeder bereichernden Entdeckung in der Kunst verschlossen, ein Laster war, so ist es die modische Gier nach Neuheiten, Extravaganzen und Seltsamkeiten unserer Zeit ebenfalls. Indem wir uns gegen das Eine gewehrt haben, sind wir in das andere Extrem verfallen. Unreife AnfĂ€ngerarbeiten, denen „Handwerk“ und jede Beherrschung des kĂŒnstlerischen Materials abgeht, die wenig oder gar nichts ausdrĂŒcken vom großartigen Mysterium, das dem Menschen und der Wirklichkeit innewohnt
; Blendwerke ―wie Autos mit einer auffallenden Karosserie, aber ohne Motor―, die wenig oder keinen kĂŒnstlerischen Wert haben; Torheiten, die sich der GlĂŒckwĂŒnsche der eifrigsten Verfechter des „Neuartigen“ erfreuen: Weiß auf Weiß, Schwarz auf Schwarz von Kasimir Malewitsch oder das Urinal von Marcel Duchamp haben den guten Namen der Kunst okkupiert; sie ĂŒberfĂŒllen wie Eindringlinge in manchen FĂ€llen die Museen (Ich hörte einen UniversitĂ€tsprofessor sagen, dass in den SĂ€len der „zeitgenössischen Kunst“ hĂ€ufig die an den WĂ€nden hĂ€ngenden Feuerlöscher das Schönste seien.). Der „nackte Kaiser“ aus dem MĂ€rchen von Hans Christian Andersen hat in unserer Zeit eine Verkörperung gefunden. Die Behauptung: „Das ist Kunst, weil ich, der ich KĂŒnstler bin, es dazu erklĂ€re.“ ist durchdrungen vom arrogaten Stil sĂ€mtlicher totalitĂ€rer Auflagen, die auch das kĂŒnstlerische Umfeld des 20. und des Beginns des 21. Jahrhunderts bestimmen.

 

4. Verwirrung und Verkehrung der Werte in unserer Zeit

 

Im Verlauf der Geschichte folgten verschiedene, manchmal sogar entgegengesetzte kulturelle Epochen aufeinander; es fehlten auch solche nicht, die das Irrationale (nicht eben das Beste am Menschen) aufreizten. Innerhalb dieser letzteren Gruppe findet sich die Mode der Gier nach Neuigkeiten und Extravaganzen unserer Tage, die trotz ihrer GelĂŒste, die OriginalitĂ€t anzutreiben, lediglich anders gewandete alte Verhaltensweisen aus der Vergangenheit wiederholt, wie sie anzutreffen waren, als der Mensch scheinbar weniger klug war.

“Wenn man mich fragen wĂŒrde, welcher der grĂ¶ĂŸte Mangel unserer Epoche ist, wĂŒrde ich ohne zu zweifeln antworten, dass es die Verwirrung und die Umkehrung der Werte sind.” (Gustave Thibon) 10

“Wenn die Laster erst Mode sind, gehen sie glatt als Tugenden durch.” (Moliùre)

„Sie beginnen zu erkennen, dass so, wie das 18. Jahrhundert sich fĂŒr das Zeitalter der Vernunft hielt und das 19. fĂŒr das des Gemeinsinns,   das 20. Jahrhundert kaum anders ĂŒber sich denken kann denn als ein Zeitalter seltener Dummheit.“ (Gilbert Keith Chesterton)

 

5. Man sollte kĂŒnstlerische QualitĂ€t nicht mit Ruhm verwechseln

 

Es ist heutzutage durchaus hĂ€ufig, auf Personen zu treffen, die kĂŒnstlerischen Institutionen vorstehen und dennoch GemeinplĂ€tze verbreiten und lediglich Werke schĂ€tzen, denen ein gewisser Ruhm anhaftet.

Diejenigen, die gegenwĂ€rtig die wichtigsten Ausstellungsorte kontrollieren, brĂŒsten sich damit, dass sie Werke von BerĂŒhmtheiten wie Lichtenstein zeigen, dessen Hervorbringungen (es sind einfache Comic-Vignetten in großem Format) in ihrer Gesamtheit weniger Kunst enthalten als einige Quadratzentimeter eines guten GemĂ€ldes.

Sich jenem Strom anzuschließen, in dem nur WertschĂ€tzung erfĂ€hrt, was seinen Ruhm vorausgeschickt hat, scheint ein sicherer Weg zu sein. Allerdings darf man denen, die so handeln und womöglich Zeitgenossen von KĂŒnstlern waren, deren Werke heutzutage am höchsten geschĂ€tzt werden, wĂ€hrend sie zu Lebzeiten nur von Wenigen Anerkennung erfuhren, unterstellen, dass auch sie zur amorphen Gruppe jener gehörten, die diese Werke damals ignoriert oder zurĂŒckgewiesen haben.

Auch fehlt es in den verschiedenen KĂŒnsten nicht an Beispielen von Werken, die ins Vergessen sanken oder in den zweiten oder dritten Rang der WertschĂ€tzung gerieten, wĂ€hrend sie zu Lebzeiten ihrer Schöpfer die offizielle Gunst oder allgemeinen Beifall genießen konnten.

Die GemĂ€lde, die Rembrandt von dem Moment an malte, da er in Ungnade und damit ins Elend fiel, wurden von seinen Zeitgenossen ĂŒbergangen. Dennoch gehören sie zu den ungewöhnlichsten und tiefsten innerhalb des gesamten Schaffens des hollĂ€ndischen Malers und der Malerei insgesamt.

Viele der erhabensten Schöpfungen Schuberts gelangten zu seinen Lebzeiten nicht ĂŒber den kleinen Kreis seiner Freunde hinaus, und seine letzten ―vielleicht bedeutendsten― Sinfonien wurden uraufgefĂŒhrt, als der Komponist bereits gestorben war.

Die UrauffĂŒhrung der Oper Carmen war ein Misserfolg, und ihr Komponist, Bizet, starb, ohne vom Erfolg zu erfahren, der sie spĂ€ter begleiten wĂŒrde. Aber Brahms lobte das Werk, und Tschaikowsky prophezeite, dass dies die populĂ€rste Oper aller Zeiten werden wĂŒrde, wie es in der Tat gekommen ist.

“Besonders bitter war fĂŒr Vincent van Gogh der Vorfall bei seiner Verabschiedung von Dr. Rey, dem er als Geschenk ein Landschaftsbild anbot, das dieser jedoch ablehnte, weil er den Spott seiner Familie fĂŒrchtete, und als ein Hilfspfleger vorbei kam, fragte er diesen im Beisein des Malers, ob er es vielleicht haben wolle, und der Pfleger antwortete: `Was sollte ich mit diesem Plunder anfangen?`, sehr zu Vincents EnttĂ€uschung, der ĂŒberzeugt davon war, die einfachen und ungebildeten Leute wĂŒrden seine Malerei intuitiv verstehen.” 11 Bedauerlicherweise hat sich die Überzeugung des armen van Gogh erst ein Jahrhundert danach bewahrheitet. „Wenn ich so geleckt malen wĂŒrde wie Bouguereau
“ 12, diese Worte van Goghs fassen unterschwellig die Ablehnung dessen Kunst zusammen, die mit der Dominanz der akademischen Vorlieben jener Jahre im Zusammenhang stehen. Bereits vor dem eben Beschriebenen war es unter denselben Personen zu einem Zwischenfall gekommen: „Aus reiner Höflichkeit hatte Dr. Felix Rey das PortrĂ€t angenommen, das van Gogh ihm schenken wollte – auch dieses Bild gefiel der Familie nicht. Es kam auf den Dachboden, spĂ€ter diente es, um die Zugluft in der KĂŒche abzuschwĂ€chen. Ein befreundeter Maler wies im Jahr 1900 (elf Jahre nach dem Tod van Goghs) auf den möglichen Wert dieses Bildes hin. Man glaubte ihn nich, aber „fĂŒr alle FĂ€lle“ wurde das Bild gereinigt und wieder auf dem Dachboden verstaut. Von jenem Maler benachrichtigt, fand sich der flinke KunsthĂ€ndler Ambroise Vollard ein, der mit beiden befreundet war, und bot dafĂŒr 50 Franc. Der Vater des Arztes fand es unwĂŒrdig, so viel Geld fĂŒr solch einen `SchundÂŽanzunehmen, Dr. Rey jedoch nahm eine etwas realistischere Haltung ein und verlangte auf gut GlĂŒck 150 Franc, was zum Erstaunen der ganzen Familie ohne UmstĂ€nde akzeptiert wurde. Das Bild hĂ€ngt heute in Moskau (im Puschkin-Museum).“ 13

Im 19. Jahrhundert wunden die GemĂ€lde der Impressionisten systematisch von den offiziellen Salons ausgeschlossen. Nun gut, die Arbeiten, die damals bevorzugt wurden, wecken heute nur wenig Interesse, verglichen mit der enormen WertschĂ€tzung die die „impressionistischen“ Bilder heute umgibt. Wollen wir vergleichen, ob dem so ist: Die Maler, die damals im Schwange waren, hießen Jean-LĂ©on GĂ©rĂŽme, Bonnat, Carolus-Duran, Bouguereau, FalguiĂšre… (Wie viele denken jetzt wohl noch an sie?); Die Maler aber, die von jenen, die in den AusstellungssĂ€len das Sagen hatten, ausgeschlossen wurden und die Sarkasmen nicht weniger Kritiker ĂŒber sich ergehen lassen mussten, waren Manet, Monet, Renoir, Pissarro, Sisley, CĂ©zanne, Degas, Toulouse Lautrec, Van Gogh (Wer kennt sie heutzutage nicht?).

Aber gehen wir in der Zeit weiter zurĂŒck, bis zum Jahr 1790 oder 1791. “Mozart wird im Dezember dieses Jahres sterben, aber natĂŒrlich weiß er davon nichts; aber es ist dieser Zeitraum, als er beschließt, bei der Zauberflöte mitzuarbeiten. Warum willigt er ein? Es gibt viele GrĂŒnde; der erste ist, dass er keinen anderen Ausweg hat als sich an eine Auftragsarbeit wie an eine rettende Planke zu klammern.” “Mozart, das nie erreichte Genie, fand sich im Elend wieder und in einer trostlosen Verkettung von FehlschlĂ€gen.” “Am Anfang dieses Jahres muss er Annoncen aufgeben, um SchĂŒler zu finden (die nicht kommen sollten), es blieben ihm zwei.” “Als im September 1790 König Ferdinand von Neapel in Wien empfangen wurde und er mehrere Musiker zu einem Besuch seines Reiches einlud, war Mozart nicht unter den Eingeladenen, und das trotz der BemĂŒhungen des stets loyalen Haydn, der sehr wohl eingeladen war, aber die Einladung ausschlug, weil er eine Reise nach London zugesagt hatte, es aber dennoch nicht erreichte, dass Mozart seinen Platz einnehmen konnte. Einige Zeit zuvor hatte die Prager Oper Haydn den Auftrag fĂŒr eine Opera buffa angetragen, und der antwortete: `Warum fragen Sie bei mir an, wo Sie doch Mozart haben, dieses Wunder!®” “Zum Jahresende 1790 bot sich den Wiener Musikern eine erneute Gelegenheit: die Krönung Leopolds II. In Frankfurt. FĂŒr die Feierlichkeiten wurden zahlreiche Musiker unter Vertrag genommen, die die Hofzeremonie begleiten sollten. Auch bei dieser Gelegenheit blieb Mozart außen vor, und zwar auf eine ĂŒberaus erniedrigende Weise.” 14

Der Musiker Gustav Mahler (1860-1911) ist bekannt als einer der herausragendsten Komponisten aller Zeiten. Jedoch hat sich in den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts kaum ein Dirigent getraut, in den USA eine Sinfonie von Mahler vollstĂ€ndig aufzufĂŒhren, aus Angst davor, das Publikum könnte den Saal verlassen. Die gesellschaftliche Anerkennung ist nicht immer eine Begleiterin der Kunstwerke. Die Moden der Kultur und Werbekampagnen können die Bewertung eines Kunstwerks verzerren und auf diese Weise kĂŒnstlerisch hochwertige Arbeiten in Vergessenheit geraten lassen, wĂ€hrend ganz unbedeutende Werke gefördert werden. Auch verlangt das Erkenntnisvermögen dessen, was eine gewisse TiefgrĂŒndigkeit aufweist, vom Zuschauer eine aufmerksame und kontemplative Haltung; auf der anderen Seite erfordert in der Regel die Kenntnisnahme des Leichten und OberflĂ€chlichen lediglich eine sinnliche und emotionale Wahrnehmung: das Publikum strömt in die Fußballstadien, deutlich weniger in die Museen, Bibliotheken oder KonzertsĂ€le, die sich der klassischen und ernsthaften Musik widmen. In seiner ersten Vorlesung zur EinfĂŒhrung in die klassische Musik warnte ein Professor seine jungen Studenten: „Das ist Musik fĂŒr den Kopf, nicht fĂŒr die Beine!“ (folglich keine Musik, die lediglich die Beine bewegt, das Skelett in Bewegung bringt, sondern eine, die sich in erster Linie an den Verstand, das Herz und das Denken richtet).

Ein Kind wird immer eine auffĂ€llige Rassel bevorzugen ―mit auffĂ€lligem Klang und grellen Farben― und den Millionen-Euro- oder Dollar-Scheck ablehnen… Mit welcher Leichtigkeit können die Menschen ―jung wie alt― hereingelegt werden mit schlichten, aber auffĂ€lligen Scheinbildern, die dabei einen sehr dĂŒrftigen geistigen Wert aufweisen! Die wahre Kunst ist nicht die, die sich auf Scheinbilder beschrĂ€nkt (man denke an so viele lautstarke „Konzerte“, „kĂŒnstlerische“ Arbeiten, die durch ihre Ausmaße oder ihre scheinbare und aggressive Neuartigkeit Eindruck schinden); die wahre Kunst ist ein unwiderlegbarer Beweis der spirituellen Dimension des Menschen… und auch dessen, dass der Mensch weit mehr ist als ein  lediglich weiterentwickeltes einfaches Tier.

Hat man heute den Eindruck, dass es reichlich Leute gibt, die es vermeiden, mit ihren eigenen Augen zu schauen und nach ihrem eigenen VerstĂ€ndnis zu urteilen. Und so geben sie sich damit zufrieden, eine Kunstproduktion schlicht danach zu bewerten, was andere darĂŒber sagen. Oder sie nehmen die Resultate von Marketing-Kampagnen fĂŒr unverrĂŒckbare Fakten, die der Goebbels-Logik folgen: Eine LĂŒge, tausend Mal wiederholt, verwandelt sich in eine Wahrheit… Hierhin hat uns der Relativismus gebracht ―oder gefĂŒhrt.

 

6. Die UnfÀhigkeit zur Betrachtung ist ein Zeichen der Dekadenz

 

In der Gegenwart wird vom Begriff des „Genies“ ein inflationĂ€rer Gebrauch gemacht, und man verwechselt Medienruhm mit der wahren spirituellen Dimension eines Genies. Nicht wenige Kuratoren von Ausstellungen reden vollmundig von „Genies“, wĂ€hrend etliche der Arbeiten eher den Eindruck erwecken, dass sie von Studenten stammen, die ihre ersten Schritte beim Studium der Malerei unternommen haben. In gleichem Maß und als eine Folge des zuvor Gesagten sind wir Betrachter von einem lĂ€cherlichen „Kult der Persönlichkeit, den die moderne Welt um die KĂŒnstler betreibt; der Kunstmarkt ist infiziert von diesem GeschwĂŒr, und die hochheilige Signatur des Malers ist deutlich mehr wert als das eigentliche Bild. Die moderne Malerei hat bis jetzt nicht verstanden, dass das sublime und letzte Ziel der Malerei darin besteht, ein Werkzeug, einen Weg zu finden, um auf die großen Fragen dieser Welt, die noch nicht wirklich entziffert ist, die noch nicht umfassend entschlĂŒsset ist, eine Antwort zu geben. Das Große Buch des Universums ist weiterhin unerschließlich, und die Malerei könnte einer der SchlĂŒssel sein, um einen Zugang zu erlangen.“ 15

Sehr viele Menschen kennen die Musik der Beatles, aber nur sehr, sehr wenige kennen die von Elgar. Elgar? Wer ist denn das?… Nicht einmal der Name ist ihnen gelĂ€ufig. Nun, auch wenn sich QualitĂ€t nicht so leicht bemessen lĂ€sst wie QuantitĂ€t, wĂŒrden wir im Sinn einer orientierenden NĂ€herung sagen, dass ein einziger Takt des Konzerts fĂŒr Violoncelo von Edward Elgar mehr MusikalitĂ€t enthĂ€lt als alles, was die Beatles komponiert haben. Und, dieser Linie folgend, dass ein einziger Takt der Dritten Sinfonie von Beethoven (man könnte auch andere Beispiele anfĂŒhren) mehr musikalische FĂŒlle bietet als die gesamte Unterhaltungsmusik des 20. Jahrhunderts
 Viele unserer jungen Zeitgenossen ertragen einen klassischen Film in Schwarz-Weiß nicht, selbst wenn es sich um ein Meisterwerk handelt, sie langweilen sich
; lediglich „action“, „special effects“ ziehen sie an. Oder sie sind nicht in der Lage, einen so großen, anregenden und tiefgrĂŒndigen Roman wie Don Quijote von La Mancha von Miguel de Cervantes zu genießen, ja, zu genießen! Die „Literatur“ der Klatschhaftigkeit und der Schaulust, die das leere Getue der BerĂŒhmtheiten (oft genug wahre Anti-Modelle) verfolgt, ĂŒberschwemmt heutzutage die Regale der Kioske und Papierhandlungen
 und ―leider― auch die Gehirne vieler. Alexander Solchenizyn hat den Finger auf diese und weitere ―viel zu sehr verbreitete― Wunden der westlichen Gesellschaft gelegt
 „kurzsichtig“ und „selbstmitleidig“ sei sie (s. Ein PortrĂ€t der westlichen Gesellschaft auf www.jrtrigo.es).

Wenn wir uns aus der geistigen Dekadenz, in der unsere Gesellschaft versunken ist, erheben wollen, brauchen wir einen Wandel unserer Gewohnheiten: von der Zerstreuung zur Konzentration; vom Banalen zum Transzendentalen; von der Leichtfertigkeit zur Besinnlichkeit. Wie viele junge ―und nicht sehr junge― Leute haben sich nie die Zeit genommen, die Ballette Dornröschen , Schwanensee oder Der Nussknacker  von Tschaikowsky zu hören; das Konzert fĂŒr Klavier Nr. 2 von Rachmaninow zu hören; das Adagietto der FĂŒnften Sinfonie von Mahler; das Adagio fĂŒr Streicher von Samuel Barber; Bilder einer Ausstellung von Mussorgski in der hervorragenden Orchestrierung von Ravel; Das Meer von Debussy; das Konzert fĂŒr Violine und Orchester von Sibelisus; Der Liebeszauber oder NĂ€chte in spanischen GĂ€rten von Falla; die Suite Iberia oder die zwei Spanischen Suites (op. 47 und op. 97) von Isaac AlbĂ©niz, sowohl in der originalen Version fĂŒr Klavier als auch in den sehr schönen Bearbeitungen fĂŒr Gitarre (von denen eine Francisco TĂĄrrega zugeschrieben wird); das Konzert von Aranjuez oder die Phantasie fĂŒr einen LliebenswĂŒrdigen von JoaquĂ­n Rodrigo? Wir könnten fortsetzen: Wie viele hatten Gelegenheit, wenigstens ein Mal den Kanon von Pachelbel zu hören; das Adagio von Albinoni; die OuvertĂŒre der Oper TannhĂ€user von Wagner; das Tripelkonzert von Beethoven; das Quintett mit Klavier von Schumann?… Dies sind sehr wohl geniale Werke der Musik, von einer Schönheit, die sich nicht auf das rein Sinnliche und Epidermale, auf das Erzeugen eines schnellen angenehmen Eindrucks beschrĂ€nkt; es ist eine sublime Schönheit, die ĂŒber den Augenblick des Erklingens ihrer Töne hinausweist und uns das Wahre und Schöne ĂŒbermittelt. Die Kenntnis dieser Werke ―auf die ich mich hier beziehe― könnte vielen ĂŒberaus nĂŒtzlich sein beim Eintritt in eine ihnen unbekannte Welt, in das wundervolle Innere der Wirklichkeit, das nur dem kontemplativen Geist zugĂ€nglich ist. Hierin liegt in Wahrheit das Angebot einer Kunst von spirituellem Format, die dem menschlichen Maß gerecht wird! Wie gut wĂ€re es, wenn man ĂŒber unsere Zeitgenossen nicht sagen mĂŒsste, was der Dichter Antonio Machado einst sagte: „Sie missachten, was sie nicht kennen“!

Ich möchte von meinem Land sprechen. Unter jungen Leuten gibt es  eine zusĂ€tzliche Schwierigkeit, sich der Kunst zu nĂ€hern, die eine Folge einer von Subjektivismus verunreinigten Bildung ist. Was hĂ€ltst du davon? Wie ist deine Meinung darĂŒber? Man hat sie angehalten, alles aus ihrem sehr persönlichen Blickwinkel zu beurteilen, noch bevor sie auch nur ansatzweise den Kern der jeweiligen Materie kennen. Auf diese Weise haben sie die Neigung entwickelt, etwas zu akzeptieren oder abzulehnen ―„gefĂ€llt mir“ oder „gefĂ€llt mir nicht“―, lediglich auf der Grundlage eines ersten Eindrucks; es mangelt ihnen an der Gewohnheit, die Dinge objektiv verstehen zu wollen, so, wie sie in Wirklichkeit sind, nicht nur aus „meiner“ beschrĂ€nkten Sicht. Einem Meisterwerk kann man mit seiner eigenen UnfĂ€higkeit oder BeschrĂ€nktheit, es zu verstehen, begegnen; aber dennoch könnte man auch so reagieren: „Ich werde mich anstrengen, ich werde mehr Wissen anhĂ€ufen, damit ich es besser begreife“. Es ist wie mit einer Person, die inmitten des Meeres zu sich sagt: „Ich will ―rudernd oder schwimmend― versuchen, das Ufer zu erreichen.“ Die jungen Leute neigen dazu, auf eine andere Weise zu reagieren (mit dem Vorbehalt „gefĂ€llt mir“ oder „gefĂ€llt mir nicht“): „Soll doch der Hafen zu mir kommen, wenn er will, ich rĂŒhre mich nicht von der Stelle!“

Als noch junger Mann schuf Gian Lorenzo Bernini (1598-1680) in Marmor eine wundervolle Gruppenskulptur, die ein mythologisches Thema verkörperte: Apollo und Daphne. Apollo versucht, die Nymphe Daphne zu erreichen; im Moment, da er sie berĂŒhrt, verwandelt sich das MĂ€dchen in einen Lorbeerbaum… Es ist die Frustration fĂŒr all jene, die die Frau in reduzierter Betrachtung nur als einen Körper wahrnehmen. Und so sehr sie sie an sich binden wollen… es entgeht ihnen das Geheimnis der Person, das wahre Wesen des Menschen, dessen Zuneigung sie gewinnen wollen. Eine Ă€hnliche Frustration durchleben jene Menschen, die in konsumistischem Fieber mehr und mehr GĂŒter anzuhĂ€ufen versuchen… Wenn jemand in anderen Wesen den Ruf nach Transzendenz, den Sinn der natĂŒrlichen Ordnung nicht wahrnimmt, wenn in ihm die FĂ€higkeit zur Bewunderung und Dankbarkeit nicht geweckt wird, kann ihn der bloße materielle Besitz innerlich gleichermaßen leer lassen: Er hĂ€tte lediglich die „Schalen“ an sich gebracht, denn das Mysterium des KosmosÂŽ bliebe ihm unzugĂ€nglich. Jemand hat gesagt, „wir sind vom LĂ€rm krank…“ Wer seine Augen nicht vom „Handy“ abwendet, um SMS zu schreiben oder zu empfangen, wer bestĂ€ndig unter Kopfhörern verharrt, die seine ganze Aufmerksamkeit mit einer lĂ€rmhaften und zudringlichen „Musik“ fĂŒllen, dem entgeht das Beste… Der Liebreiz natĂŒrlicher Laute wie das Rauschen des Meeres oder des Windes, das Singen der Vögel… das Schauspiel eines Sonnenauf- oder -untergangs, wenn die Elemente in Harmonie  zusammentreffen, das langsame Aufbrechen eines Baumes, wenn er sich im FrĂŒhling mit BlĂ€ttern fĂŒllt… und so viele alltĂ€gliche und gewöhnliche Freuden mehr wie die stille ErfĂŒllung der Pflicht, die Teilnahme an der Kraft der Schöpfung in der Arbeit; die verantwortliche AusĂŒbung der Freiheit, die dem Erreichen des Guten gewidmet ist; die vielgestaltige Entfaltung einer spirituellen Elternschaft, ein Zeichen der Reife eines Menschen; das GlĂŒck, eine Familie zu haben und, mehr noch, das Geschenk des Wie gut ist es, dass du existierst! mit der unschĂ€tzbaren Freude am NĂŒtzlichsein, am Teilen von Aufgaben, Zeit, Bestrebungen, Erlebnissen mit jenen auszukosten, die dich lieben und die du liebst… Diese einfachen natĂŒrlichen! Erfahrungen geben dem menschlichen Geist Fragen auf und wecken in ihm tiefe existentielle Fragestellungen. Die technologischen Fortschritte und das kĂŒnstlich bequeme Leben scheinen in Vielen die FĂ€higkeit, sich fĂŒr die Wahrheit, fĂŒr das Gute und das Schöne zu interessieren, einzuschlĂ€fern und zu ersticken. Das “geschwĂ€chte Denken” in unseren Zeiten wird charakterisiert durch die Abwendung von den großen Fragen, die die menschliche Existenz betreffen, und die Hinwendung zu Fragen wie: “Was hast du heute abend vor? Welche Mannschaft hat die letzte Fußballweltmeisterschaft gewonnen?” Es ist, als wĂŒrde man den Lebensweg in einem Auto zurĂŒcklegen, das nur Abblendlicht hat, und zwar sehr abgeblendet.

„Wenn wir nicht dahin gelangen, dass die Menschen wierder Genuss verspĂŒren an ihrem normalen Leben, welches die Modernen langweilig nennen, wird unsere Zivilisation in einigen Jahren in BruchstĂŒcke zerfallen sein… Wenn wir kein Interesse aufbringen fĂŒr die MorgendĂ€mmerung, das tĂ€gliche Brot und die Hervorbringungen der alltĂ€glichen Arbeit ―einfach so, wie sie sind―, so wird die Erschlaffung wie eine tödliche Krankheit ĂŒber unsere Zivilisation kommen. So ging die große heidnische Zivilisation unter: mit Brot und Spielen – und mit dem Vergessen der eigenen Götter.“ (Gilbert Keith Chesterton)

In jĂŒngster Vergangenheit erarbeitete StudienplĂ€ne lassen die Tendenz erkennen, die „Humanwissenschaften“ oder Geisteswissenschaften ganz zu unterdrĂŒcken oder sie auf ein Minimum zu reduzieren: die Religion, die Philosophie, die Geschichte, die Literatur, die KĂŒnste
 Die These, die einem solchen Entwurf zugrunde liegt, lĂ€uft darauf hinaus, dass der praktisch und technologisch orientierte Mensch ―um dessen Ausbildung es geht― zur Beherrschung der Welt nichts anderes braucht als die Werkzeuge, die ihm die moderne Technik zur VerfĂŒgung stellt. Die pure Beherrschung der Erde bringt nicht notwendig die Entwicklung der spirituellen Dimension mit sich; dem heutigen Menschen fehlt das harmonische Wachstum seiner FĂ€higkeiten in ihrer Gesamtheit. Wenn es ihm an “innerem Licht” fehlt (das heißt, an dieser “FĂ€higkeit, Erstaunen und Einheit gegenĂŒber der Welt, in der wir leben, zu entfalten”16), wird er nicht in der Lage sein, die GrĂ¶ĂŸe und Tiefe der Wahrheit, des Guten und der Schönheit zu sehen, zu entdecken; von ihnen wird er allenfalls die oberflĂ€chlichen und schnellen Aspekte wahrnehmen ―kaum mehr als ein irrationales Tier― und nicht ihr Inneres und Universelles erfassen, was nur die Kultur erlaubt (jenen, die den Geist entwickeln). Von hier aus ergibt sich die Notwendigkeit, die “Geisteswisschenschaften” als dringend erforderliche Mittel zur Linderung der individuellen und gesellschaftlichen MĂ€ngel des heutigen Menschen einzusetzen.

Zahlreiche Bilder der Webseite www.jrtrigo.es werden von kurzen Kommentaren und geometrischen Analysen begleitet, mit denen versucht wird, dem Betrachter oder dem Webuser zu helfen, sich in wenigen Minuten dem Wesentlichen eines Bildes anzunĂ€hern. Heutzutage gehen viele Menschen viel zu eilig durchs Leben, ohne Sinn fĂŒr Reflexion und Betrachtung
 oder ohne das erforderliche kulturelle RĂŒstzeug, das ihnen erlauben wĂŒrde, sich in eine kĂŒnstlerische Schönheit zu vertiefen, die ĂŒber die unmittelbare Wirkung von Bildeffekten hinausgeht.

 

7. Man sollte kĂŒnstlerischen Fortschritt nicht mit LĂ€rm verwechseln

 

Auf eben jener Seite www.jrtrigo.es findet sich ein im Vergleich zu den anderen ausgedehnterer Kommentar, der das Bild Die Auflösung der Figur (I) begleitet und der einen anderen Aspekt der Gier nach dem Neuen in heutiger zaeit berĂŒhrt: diese frenetische wilde Flucht fast aller “KĂŒnstler” hin zur Abstraktion. Das FigĂŒrliche, das die bekannte oder imaginierte Wirklichkeit kĂŒnstlerich aufruft, neu erstehen lĂ€sst und unsterblich matcht, “ist nicht mehr modern, nĂŒtzt uns nichts mehr, wir mĂŒssen zu anderen Themen ĂŒbergehen”… Die Entmenschlichung der Kunst ist dieser Flucht eingeschrieben. Die zwei AbsĂ€tze von JosĂ© JimĂ©nez Lozano, die ich zuvor zitier habe, und jener Absatz, der sich auf den  Hofmaler VelĂĄzquez bezieht, sind in diesem Punkt ebenfalls erhellend.

Die Reproduktionen gemalter Gesichter, die auf der Webpage www.jrtrigo.es anzutreffen sind, zeigen einen Teil meiner Malerei, lassen aber erkennen, dass diese Malerei den großen Herausforderungen der Natur nicht den RĂŒcken zugewandt hat. “Es gibt sehr viele geheimnisvolle Dinge, aber nichts ist so geheimnisvoll wie der Mensch.” (Sophokles)

Achten wir auf ein menschlices Auge… Es ist eine wahre Herausforderung fĂŒr einen Augenarzt, aber ebenso fĂŒr einen KĂŒnstler. Und ein LĂ€cheln? Und ein Weinen…? In der zeitgenössischen Malerei stĂ¶ĂŸt man nicht eben hĂ€ufig auf eine respektvolle Behandlung des Menschen, ohne Deforrmationen oder Entstellungen, die aus der menschlichen WĂŒrde einen Plunder machen und das menschliche Wesen auf ein bloßes gestalterisches Objekt reduzieren. Unter diesem Aspekt könnte vielleicht vielen Betrachtern meine Malerei als eine Oase in einer ausgedehnten WĂŒste erscheinen. “Ein Baum, der fĂ€llt, macht mehr LĂ€rm als ein ganzer Wald beim Aufwachsen”. Der Bruch mit der Tradition ist deutlich lauter als die lebendige Weiterentwicklung derselben; knalliger die Extravaganz und die außerkĂŒnstlerische Provokation als eine Schönheit, die Bewunderung weckt und dem Betrachter das Mysterium vorfĂŒhrt; es geht schneller, unter großem Pulverdampf das kulturelle Erbe, das vom menschlichen Geist im Verlauf der Jahrhunderte angesammelt wurde, zu vernichten, als schrittweise und mit Blick nach vorn das Erreichen der Perfektion und der Entdeckungen voranzutreiben…

 

8. Sie mag in Mode sein oder nicht – die kĂŒnstlerische QualitĂ€t hat immer AnhĂ€nger

 

Auch könnte zur Erhelleung beitragen, was unlĂ€ngst mit Sorolla geschehen ist, einem Maler, der von gewissen “zeitgenössischen” Kritikern geschmĂ€ht wurde, weil seine Malerei immer abseits der KĂŒnstlerischen “Avantgarde” angesiedelt war. Dennoch reagierte das Publikum, frei von den Vorurteilen der ModernitĂ€t, die einige durchsetzen wollen (die Gier nach Neuem und Extravagantem), mit einem massiven Ansturm auf die Ausstellungen der Malerei von Sorolla und bestĂ€tigte ihn als eine der populĂ€rsten und universellsten Maler der spanischen Kunstgeschichte.

In diesem Zusammenhang erscheint es angebracht, auf ein Paradoxon aufmerksam zu machen: hĂ€ufig sind die “modernen” GemĂ€lde (die ersonnen wurden, um mit ihrem neuartigen oder schockierenden oder extravaganten Anschein zu ĂŒberraschen) in ihrer AusfĂŒhrung sehr schlicht, routinemĂ€ĂŸig hergestellt von “Malern” mit wenig Fingerfertigkeit, die schwer verstĂ€ndlich und verdaulich sind. Im Gegensatz dazu sind die Arbeiten von Sorolla in ihrer AusfĂŒhrung schwierig, nur ein Maler, der die bildnerischen Techniken suverĂ€n beherrscht, erreicht dergleichen, und doch sind sie in ihrer Meisterschft fĂŒr den Betrachter leicht zu erkennen; diese Malerei ist ganz wesentlich klassisch und populĂ€r, zeitlos und nach dem Geschmack von fast Jedem.

 

9. Der Konventionalismus unserer Epoche

 

Was wĂŒrde wohl geschehen, wenn man an einem Ausstellungsort PortrĂ€ts von Andy Warhol und einige Werke der spanischen Darstellungen von Heiligen aus der Renaissance und dem Barock (Bilder des “göttlichen” Morales, Skulpturen von DamiĂĄn Forment, Alonso de Berruguete, Gregorio HernĂĄndez, Juan MartĂ­nez Montañés, Alonso Cano, Pedro de Mena, Francisco Salzillo) versammeln wĂŒrde? Der Kontrast wĂ€re offensichtlich: die einen weltberĂŒhmt, die anderen deutlich bescheidener (international verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig wenig bekannt). Hier ein Mangel an KomplexitĂ€t und Mysterium, ohne die Beherrschung einer bildnerischen Substanz und ―in der Folge― ohne die FĂ€higkeit, etwas vom menschlichen Geist zu vermitteln; dort, komplexe Gebilde von einer unsagbaren Ausdruckskraft, ausgefĂŒhrt mit unĂŒbertrefflicher Meisterschaft und SouverĂ€nitĂ€t im Umgang mit dem Material, Übermittler tiefer GefĂŒhle und ErgrĂŒnder der menschlichen Seele; hier die BanalitĂ€t eines Werbeposters, das man sieht und sofort wieder vergisst; dort etwas Ergreifendes, von einer Schönheit,die sich ĂŒber das FlĂŒchtige hinwegsetzt und die Vollkommenheit streift
 Was also wĂŒrde geschehen, wenn man die Einen den Anderen gegenĂŒberstellen wĂŒrde? Vielleicht wĂŒrden diese so berĂŒhmten Weke sich mit Schamesröte ĂŒberziehen gegenĂŒber jenen, die so viel bescheidener, aber wundervoll sind? Wie fragwĂŒrdig sind doch einige der ÜbereinkĂŒnfte unserer Zeit! (Die GemĂ€lde mit religiöser Thematik von El Greco, Ribera, ZurbarĂĄn, VelĂĄzquez, Murillo und Goya habe ich hier ausgelassen, um nicht ĂŒber die Gruppe der “bescheideneren” KĂŒnstler hinauszugehen).

 

10. Die Zeitlosigkeit der kĂŒnstlerischen Schönheit

 

Die Fakten bezeugen, dass die Gier nach dem Neuen eine ausschließende ist; die Schönheit jedoch umfasst sowohl das “Alte” als auch das “Neue”, um es in eine höhere Kategorie zu ĂŒberfĂŒhren, um daraus etwas sich immer wieder Erneuerndes, Zeitloses zu machen.

” In den letzten Lebensjahren von J. S. Bach schien die Fuge eine ermattete, veraltete, fast nicht mehr gebrĂ€uchliche musikalische Form zu sein. Mehr als zwei Jahrhunderte spĂ€ter, im 21. Jahrhundert, ist die musikalische Kunst von J. S. Bach ―auch die seiner Fugen― ĂŒberaus aktuell und erhaben.

“In der Musik von J. S. Bach vereinen sich in bewundernswerter Weise Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.”17

“Als wenn die ewige Harmonie sich mit sich selbst unterhielte, wie sich’s etwa in Gottes Busen, kurz vor der Weltschöpfung, möchte zugetragen haben, so bewegte sich’s auch in meinem Innern.” (Johann Wolfgang Goethe ĂŒber Bach)

Er entblĂ¶ĂŸt die menschliche Natur, um ihre göttlichen Attribute zu zeigen. Den alltĂ€glichen Dingen verleiht er einen spirituellen Reiz, dem was flĂŒchtig ist, verleiht er die FlĂŒgel der Ewigkeit. Die göttlichen Dinge macht er menschlich und die menschlichen göttlich – so ist eben Bach, der grĂ¶ĂŸte und reinste Moment in der Musik aller Zeiten. ” (Pablo Casals)

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1,  10  Gustave Thibon, LŽéquilibre et lŽharmonie (Das Gleichgewicht und die Harmonie)

2  José Antonio Jåuregui, La identidad humana (Die menschliche IdentiÀt)

3,  4  Esther Meynell, Die kleine Chronik der Anna Magadalena Bach

5  Juan Manuel de Prada, Die BilderstĂŒrmer (Artikel in “ABC”, 28.02.2015)

6  Juan Manuel de Prada, Farbstrahlen fĂŒr einen Unsinn (Artilel in “ABC”, 08.11.2008)

7,  8,  15  Balthus, Erinnerungen. Aufgezeichnet von Alain Vircondelet. Kapitel 71, 61 und 57

9  Aristoteles, Nikomachische Ethik 2, 6

11,  12,  13,  14  Juan Antonio Vallejo-NĂĄjera, Locos egregios (Erlauchte VerrĂŒckte)

16 Alexandro Delgado, A propĂłsito da MĂșsica (In Sachen Musik, Sendung auf Antena 2 RTP)

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